Homo Erasmus
Nach einer weiteren längeren Schreibpause, kam mir gerade die Idee zu diesem Beitrag. Ich schreibe hier nicht über mich d.h. über Dinge die ich selbst getan habe oder vorhabe in Zukunft zu tun, sondern über meine Eindrücke und Dinge, die ich seit ich selbst im Ausland bin beobachtet habe. Außerdem, möchte ich vorab betonen dass dieser Beitrag lediglich meine persönlichen Eindrücke widerspiegelt und durchaus mit viel Humor und Schmunzeln gelesen werden sollte. Jeder der ein bisschen von ERASMUS weiß bzw. selbst ERASMUS-Student ist/war, wird vielleicht manche Dinge aus seiner Zeit wiedererkennen. Deshalb will ich es möglichst Allgemein halten. Wie gesagt, das Schmunzeln hierbei nie vergessen.
Zunächst grobe Merkmale:
Der ERASMUS-Student oder auch liebevollst "Homo Erasmus * " genannt, ist eine besondere Gattung Student. Er bevorzugt ausländische Gefilde als temporären Aufenthaltsort, vorzugsweise 1 oder 2 Semester, bis er weiter zieht. An sich hat Homo Erasmus keine besonders strengen Auflagen zu erfüllen. Gute Noten, Allgemeinwissen oder gar Sprachkenntnisse sind nur bedingt von Nöten, manchmal fallen diese Anforderungen (vor allem die Sache mit den Sprachkenntnissen) auch ganz weg. Hände und Füße tun es auch. Sollte das nicht zum warm werden mit dem Gegenüber ausreichen, tuts auch eine (oder mehrere) geteilte Flasche Hochprozentiges. Der ERASMUS-Student hat generell eigentlich kein Geld, macht aber nix, irgendwoher kommt es scheinbar doch immer (Stichwort: Finanzunternehmen Elternschaft).
Nun zum Thema "Alltag". Das Wort darf in diesem Kontext nicht wie wir es von außerhalb kennen verwendet werden, will heißen: Alltag ERASMUS-Student ungleich Alltag.
Der ERASMUS-Student Alltag
Dieser Alltag variiert natürlich von Land zu Land, ebenso wie von Person zu Person. Irgendwo vereinen sich dennoch immer einige Eigenschaften. Grundsätzlich kann man sagen, dass es keinen festen Alltag gibt. Die Wochen und Monate sind geprägt von Chaos, Nichtstun und Partys. Bis es einen halbwegs geregelten Uni-Alltag gibt, gehen durchaus 4 Wochen ins Land. Teilweise noch länger. 800 (und mehr) Euro innerhalb von 4-6 Wochen auszugeben ist keine Schwierigkeit für Homo Erasmus, vor allem in skandinavischen Ländern mit hohen Alkoholpreisen.
Das Thema Partys bildet den Kern seines neuen Lebens im Ausland. Viele Partys, exzessiv, ausschweifend, laut. Homo Erasmus ist Traum und zugleich Alptraum aller Bar und Club Besitzer und natürlich der Nachbarn und Mitbewohner, die vielleicht nicht Teil des großen Ganzen sind. Beschwerden sind weder selten noch überraschend. Nicht alkoholische Getränke werden quasi mit Alkoholischem substituiert. Wie gesagt, dass mit dem Geld ist für gewöhnlich kein Problem.
Kommen wir nun zu den zwischenmenschlichen Beziehungen des Homo Erasmus.
Generell hat Homo Erasmus keinerlei Probleme neue Leute kennenzulernen. Austauschprogramm verbindet (meistens) und wenn nicht => siehe weiter oben, das mit dem Alkohol teilen und so . Als eher zurückhaltender Mensch oder als Mensch aus einem Land, welches den Ruf hat doch eher sehr spießige, zurückhaltende Einwohner zu beherbergen, empfiehlt es sich schnellst möglichst aufzutauen oder das Ganze mit dem Kennenlernen auf die Freshman (Neuankömmlings)-Partys zu verlegen und mit gewissem Maß an Alkoholpegel vorzubeugen. Generell versteht sich Homo Erasmus mit jeder Kultur gut, was vielleicht auch am ersten 4-wöchigen "Perma-Rausch" liegen könnte.
Der wirkliche Kern mit dem man die meiste Zeit verbringt bildet sich meist erst nach einiger Zeit. Zwanglose Liebschaften (der Plural wurde hier bewusst gewählt, da viele und schnell wechselnd) innerhalb und außerhalb dieses Kerns sind übrigends normal und ERASMUS-intern anerkannt.
Ein weiterer, anderer Aspekt der zwischenmenschlichen Beziehungen: der Freund/ die Freundin zu Hause:
Der oder die Liebste zu Hause, oft wird Homo Erasmus in diesem Fall mitleidig betrachtet. Homo Erasmus verbringt natürlich seine komplette Freizeit damit mit dem/der Hinterbliebenen zu skypen oder Kontakt zu halten. Feste abendliche Telefonate sind gemäß den Vorstellungen eines Single-Homo Erasmus Pflicht und ein regelrechter Freiheitsentzug. Ja, es klingt recht pathetisch, Homo Erasmus liebt seine Freiheit. Er ist ungezähmt, folgt keinen Regeln, wäscht seine Wäsche endlich alleine... wahrlich... dieser überwältigende Duft von Freiheit und Zügellosigkeit... Könnt ihr es nicht auch riechen?
Die Konsequenz ist ganz einfach in einer Gleichung festzuhalten:
Partys + Freiheit + Alkohol + zwanglose Liebschaften + Freund/Freundin zu Hause = Erasmus Alltag
Der erfahrene Homo Erasmus erkennt sofort einen Konflikt in der Gleichung! Dieser muss über kurz oder lang eliminiert werden. Mathematisch kundige wissen natürlich gleich, dass da etwas abgezogen werden muss um das Homo Erasmus Gleichgewicht wieder herstellen zu können. Ganz klar, der Freund/die Freundin muss weg. Das macht dann:
/- Freund/Freundin zu Hause =>
Partys + Freiheit + Alkohol + zwanglose Liebschaften = Erasmus Alltag
Konflikt gelöst, Freund/Freundin abgeschossen, Homo Erasmus erleichtert.
Manchem Homo Erasmus macht es aber auch nichts aus die erste Gleichung bestehen zu lassen. Fremdgehen im Erasmus-Jahr ist erschreckenderweise durchaus keine Seltenheit.
An all die zu Hause gebliebenen oder zukünftig zu Hause bleibenden: Es kommt häufig vor, aber die Ausnahme bzw. die Ausnahmen bestätigen die Regel.
Der Punkt: Tratsch
Der ERASMUS-Student ist gewöhnlich nicht sehr loyal oder verschwiegen. Willst du etwas geheim halten oder irgendwas jemandem im Vertrauen erzählen, dann sag es lieber deinem Kopfkissen. Vor allem im Punkto Liebschaften müsste es nicht mal auf der Facebook Startseite stehen, ERASMUS-Mundpropaganda ist schneller! Da der ERASMUS -Student auch eher schadenfroher Natur geprägt ist, sollte man sich jedoch nicht immer auf alles Verlassen was die Informationspolitik zu bieten hat. Dies nur als allgemeiner Rat.
Zum Schluss: Uni
Das akademische Leben des Homo Erasmus existiert (wie bereits zu mutmaßen war) kaum. Sobald ein paar Lehrveranstaltungen angesetzt sind, fühlt er sich unter Druck gesetzt und ertränkt dies zuweilen in Ignoranz, Partys und Alkohol. Ein restalkoholisierter Student ist deshalb keine Überraschung. Stört aber auch keinen. Der Austauschstudent an sich wird eher mild behandelt. Aufgrund unterschiedlicher Niveaus der einzelnen Länder untereinander, variieren oft nicht nur die Englischkenntnisse. Deshalb ist das Schwierigkeits-Level eher niedriger gesetzt, worüber sich niemals jemand beschweren würde. Schließlich zehrt das Party-Leben genug, da braucht man nicht auch noch unnötigen Uni-Stress.
Das wars soweit zu meinen bisherigen Impressionen vom Stereotypen-ERASMUS-Student. Ich hoff er hat euch ein bisschen zum grinsen bringen können.
* an die Eltern ehemaliger ERASMUS-Studenten: "Homo Erasmus" in Youtube eingeben, vielleicht trifft man ja altbekannte Gesichter.
bananabread am 20. Oktober 13
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